Kaffeekampf: A Tale of Two Viennas

„It was the best of machines, it was the worst of machines.“

Wie jeder Geek erhalte auch ich meine Arbeitsfähigkeit und damit meinen Wert für die Gesellschaft mit Drogen: in meinem Fall sind das unter anderem möglichst kindische Computerspiele und frisch gebrühter Kaffee. Und wie jeder Geek weiß ich, dass Kaffeemaschinen einen miesen Humor haben.

In meinem Fall erwies sich das am Büro-Kaffeevollautomaten, einer älteren, kackbraun-hässlichen Maschine vom Typ Saeco Vienna, die aber über alles Notwendige verfügt. Kaffeemühle, E61-artige Brühgruppe mit Vorbrüh-Funktion, Sensoren, Prozessorsteuerung. Die Maschine war die Spende eines Kollegen und tat ihren Dienst, bis es eines tages hör- und riechbar knallte und sie dahin war. Nun, selbst ist der Geek: ich also wochenends in meine Arbeitsstätte, das Ding demontiert, weggedampfte Leiterbahnen nachgelötet, die verklemmte Kaffeemühle demontiert und gereinigt, alles wieder zusammengeschraubt – und dann aufgegeben, als die Maschine immer noch nicht wollte. Noch mehr Aufwand wollte ich nicht investieren, zum einen weil es sich nicht lohnte, zum anderen, weil mir meine Liebste sehr deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass sie einer weiteren zerlegten Maschine auf meinem Schreibtisch eher skeptisch gegenüberstünde.

Macht nichts: Ersatz beschaffen ist doch viel einfacher als bis zum bitteren Ende reparieren. Also bei eBay eine neue alte Vienna geschossen – generalüberholt und trotzdem äußerst bezahlbar. Das Ding kommt an, brüht genau eine Tasse – und gibt dann nur noch Tröpfchen von sich. Wie gesagt: Kaffeemaschinen haben einen miesen Humor.

Kaffee läuft: So soll's sein!

Um’s kurz zu machen: Maschine läuft, Kaffee läuft. Aus diesem Anlass möchte ich hier gerne eine kleine Einsteiger-Anleitung zur Demontage und Reparatur einer Saeco Vienna anbieten – mit einigen im Lauf der Zeit zusammenrecherchierten Tipps und Unterlagen.

Le Problem

Die Ausgangslage: Das Wasser läuft nicht. Selbst, nachdem die Maschine ordnungsgemäß entlüftet ist – sprich: man dreht den Dampfhahn rechts vorne auf und wartet, bis nur noch Wasser kommt – fließt nicht genügend Wasser durch die Maschine. Die das merkt, weil sie ja einen so genannten Durchflussmesser hat, und deshalb irgendwann abschaltet.

Muss also irgendwo was verstopft sein – Schläuche durchpusten reicht wohl schon. Und so war’s auch.

Erst einmal dies: ich habe das nicht alles selbst herausgefunden, sondern natürlich erst einmal im Netz recherchiert. Hier in der AndyFAQ steht im Prinzip schon alles; ich zeig’s trotzdem nochmal.

Werkzeug

Ganze Werkzeugschubladen habe ich in mein Büro geschleppt; Steckschlüsselsatz, Zangen, what not. Dabei reicht das hier aus, um die Saeco Vienna zu zerlegen:

Nötiges Werkzeug (siehe Text)

  • Ein Kreuzlochschraubendreher, der aber – unbedingt! – etwa 10cm lang sein muss und auf dieser Länge nicht dicker als 11mm sein darf – warum, dazu später mehr
  • Ein 2mm-Inbus-Schlüssel (für die Erbsenzähler: „Innensechskant“); wer hat, kann natürlich auch einen Torx-T10-Schraubendreher verwenden.
  • Bei mir waren außerdem noch nötig: eine Zange, mit der ich dem Schraubenzieher etwas mehr Drehmoment verpasst habe.
  • Zu guter Letzt eine aufgebogene Büroklammer, um die verstopfte Düse wieder freizubekommen.

Logisch: Wer weiter gehenden Reparaturbedarf hat, braucht womöglich weitere Werkzeuge, aber alles nichts Unübliches: weitere Inbus-Schlüssel, eventuell einen Lötkolben, eine Spitzzange. Für einen ersten Blick ins Innere und die Lösung des Blockade-Problems reichten diese Instrumente aber aus.

Schrauben

An sich ist die Demontage ganz einfach: Das Oberteil abnehmen; dann kann man die komplette Mechanik und Elektronik einfach aus dem Gehäuse ziehen. Zuvor aber dies:

  • Den Einstellknopf für die Kaffeemenge abziehen (auf der Vorderseite unter den Bedienknöpfen); ebenso den Dampfhahn-Drehknopf rechts vorn am Gerät – die beiden grauen Plasteknöpfe beugen sich zärtlicher ziehender Gewalt.
  • Den Wassertank abnehmen
  • Insgesamt sechs Schrauben entfernen.

Position der vier Schrauben an der Oberseite

  1. Schraube eins sitzt unter dem Wassertank am hinteren Rand des Gehäuses. Es ist eine T10-Torx-Schraube, die man entweder mit einem T10-Torx-Schraubendreher schraubendrehen kann – oder auch kostensparend mit dem 2mm-Inbus. Bitte sehr, gern geschehen.
  2. Den Kaffee aus dem Bohnenbehälter ablöffeln, damit wir an…
  3. …Schrauben zwei und drei herankommen – einfache Kreuzlochschrauben. Die längere (2) sitzt hinten.
  4. Den Bohnenbehälter nach oben abheben. Am rechten hinteren Rand des Gehäuses – rechts neben der Befestigungsbohrung für Schraube zwei – ist ein Loch, über das wir an Schaube vier kommen.
    schraubenzieher-länge
    Jetzt sieht man, warum der Schaubenzieher entweder sehr lang sein muss oder sehr dünn – am besten beides: Ich habe eine Weile gesucht, bis ich den richtigen hatte. Die Schraube sitzt knapp neun Zentimeter unter der Öffnung – und sie sitzt ziemlich fest. Mit der Zange den Schraubenzieher packen und unter Druck von oben aufdrehen.
  5. Jetzt die Frontklappe der Maschine öffnen (die, hinter der die Brühgruppe und der Satzbehälter sitzen)…
  6. …und die Schrauben fünf und sechs auf der Unterkante der Maschine herausdrehen.

schraube-links-untenschraube-unten-2

Jetzt lässt sich das Gehäuseoberteil nach vorne kippen und abheben. Es hängt natürlich noch über einen Schlauch am Rest fest – dieser Schlauch lässt sich aber einfach abziehen. (Es hilft, ein Tuch drunterzuhalten, um kein Wasser in die Elektrik zu sabbern.)

Das weiße radförmige Plastikteilchen, auf das besagter Schlauch zum Wassertank gesteckt ist, ist der Durchflussmesser – In seinem Inneren sitzt ein Plastikrädchen, auf dem ein Magnet sitzt. Wenn Wasser durch den Schlauch fließt, dreht sich das Rädchen und schaltet bei jeder Umdrehung einen Hall-Sensor. So weiß die Maschine, dass das Wasser läuft. (Der Sensor befindet sich noch vor der Pumpe.) Durch eine leichte Drehung gegen den Uhrzeigersinn lässt sich das Oberteil des Durchflussmessers öffnen.

An dieser Stelle kam dann Werkzeug Nummer vier zum Einsatz: die aufgebogene Büroklammer. Damit einmal durch den Zufluss gestochen – und zum Vorschein kam konzentriertes Böses; ein kleiner schwarzer Klumpen, nicht größer als ein Gerstenkorn. Und der hat den Wasserzulauf verstopft. No more, mein Bester!

das-korn

Quellen und Hilfen

Ein paar meiner Recherche-Ergebnisse als Einstieg für Selbstreparierer – weitere Tipps gern über die Kommentare…

Verwandte Artikel:

2 Gedanken zu „Kaffeekampf: A Tale of Two Viennas

  1. Hallo,

    wir habe eine Saeco Kaffeemaschine die hier obern abgebildet ist.

    wir haben gestern eine kompl. neue Thermo eingebaut funktionierte auch alles super ein Kaffe Tasse ging auch danach fing das grüne Einschaltlicht auszufallen und jetzt bekommen wir den nicht mehr an bei leichten drücken sieht man das dass grüne Licht etwas leuchtet und bei kompl rein drücken nichts tote Hose :-(

    was kann das sein

    ich freue mich auf euer feedback

    grüsse Yvonne

    • Schalter durchmessen? Auch die, die im Gehäuse überwachen, dass der Satzbehälter, das Mahlwerk und die Tür in Position sind? (Wenn die nicht schließen, geht gar nichts.)

      Es könnte auch die Elektronik kaputt sein, aber ich würde erst mal auf die mechanischen Schalter tippen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.