Peking in Cupertino: Apple, das iPhone und die “chinesische Lösung”

Großer Vorsitzender Jobs (Originale: schamlos geklaut und hart montiert)Es läuft nicht gut derzeit für das Regime. Die Massen, die man rief, sind nicht mehr ohne weiteres zu beherrschen, und immer lauter ruft eine unbedeutende, aber lästige Minderheit nach unbedingten und freien Netzzugang für alle. Nur widerwillig hat das Regime ein wenig nachgegeben – um nun festzustellen, dass das den lauten Unmut eher verstärkt hat als besänftigt. Zu allem Überfluss sagt man, der alte Diktator sei erkrankt und die ersten Generäle dächten an Putsch. Und dann mäkeln andere noch an den Verhältnissen – was ebenso streng verboten ist. Darum ist jetzt Schluss mit lustig:  die Experimente mit (eingeschränkter) Freiheit werden jetzt kassiert; nun muss alles wieder am Zensor vorbei.

Ich bin ein großer Fan von last.fm, und ganz besonders vom “Nachbarradio”, das mir Musik spielt, von der ich oft noch nie etwas gehört habe, die aber fast immer spannend ist: so kommt man auf neue Gedanken. Nun, nach dem Update auf die iPod/iPhone-Software 2.0 habe ich natürlich auch das offiziell über den Apple Store erhältliche last.fm-App installiert – und muss leider feststellen, dass es nicht zu gebrauchen ist. Maximal eineinhalb Minuten ohne Absturz – und ein kurzer Blick in die Nutzerkommentare zeigt, dass es praktisch allen deutschen Nutzern so geht.

Diese Art von unbrauchbaren Programmen ist das Argument, weshalb Apple beim iPhone auf eine geschlossene Welt besteht, in der nur von Apple freigegebene Programme eine Existenzberechtigung haben. Mir ist das alles um so erstaunlicher, als die “graue”, nur über einen Jailbreak einspielbare Version des last.fm-Programms immer anstandslos funktioniert hat – sein offizieller Nachfolger hat null Funktionalität und/oder Existenzberechtigung. Was Apple wie auch last.fm am Arsch vorbeizugehen scheint. Und darüber wundert sich nur, wer noch nie versucht hat, die Apple-Pressestelle zu einem Kommentar zu bewegen.

Denken wir kurz nach und nehmen an: es könnte sein, dass der Fehler nur auftritt, wenn das englische last.fm-Programm in deutscher Umgebung läuft. Es könnte aber auch sein, dass das Update irgendwo auf einem überladenen Schreibtisch in Cupertino Staub ansetzt – bei Ars Technica ist nachzulesen, dass die Entwickler sauer sind darüber, dass es bei Apple nicht vorangeht – auch mit den Bugfixes in einem offenbar reichlich löcherigen iPhone-2.0-Betriebssystem. Und der Ärger mit einem an sich großartigen Produkt wächst – weil es nicht richtig funktioniert.

Was lernt Apple daraus? Nichts. Ein neues iPhone-Update spielt sich auf und macht als erstes mal Werbung für den anscheinend grotesk missratenen “MobileMe”-Dienst.Und die Möglichkeit, die schöne neue 3G-Verbindung im iPhone auch für andere Computer nutzbar zu machen: Apple verhindert sie mit voller Absicht. Wenn WIR dir, User, in UNSERER unendlichen Gnade schon das JesusPhone überlassen, sollst du keine anderen Götter neben ihm haben.

Bitte nicht falsch verstehen: Über den Ansatz, das iPhone als System geschlossen zu halten, kann man IMHO diskutieren – wenn das der Preis ist, dass man ein stabiles und gut nutzbares Gerät hat, sei es so – Apple war immer gut darin, die Beschränkung aufs Wesentliche durchzusetzen und so den Nutzwert seiner Angebote zu erhöhen. Aber davon kann keine Rede sein: über ein geschlossenes System den Usern fehlerhaften Content in den Hals stopfen – das wird am Ende so viele User zum Jailbreak führen, dass sich der Ansatz von selbst zerstört.

Hoffe ich zumindest.

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    keine – dieser Post scheint einzigartig zu sein…

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