Tastaturwäsche: Dem Mythos auf der Spur

Ein altes Gerücht, dass sich graubärtige Hacker zuraunen: Wenn man damals eine Tastatur mit einer Flüssigkeit gekillt hatte, mit Bier, Rotwein, Cola oder (meinetwegen) Scheibenklar, dann konnte man sie mit einem Spülgang in der Spülmaschine wieder retten.

Aus gegebenem Anlass (siehe letzter Eintrag) gehe ich der Sache empirisch nach.

  1. Vorstudien:

    Eine kurze Internetrecherche ergibt, dass durchaus einige Tippgeber auf das Verfahren bestehen (etwa hier oder sogar quasi-amtlich bei den Kollegen vom WDR). Das klingt ermutigend – steht aber meinen eigenen Erfahrungen entgegen.

    Vor einigen Monaten war in der Redaktion eine Tastatur Opfer einer Fruchtsaftattacke geworden. Da ohnehin nichts zu verlieren war, steckten wir sie in die redaktionseigene Spülmaschine – die Tastatur blieb aber unbrauchbar. Heißt das, es geht nicht?

  2. Etwas Theorie:

    Warum sind Tastaturen eigentlich so anfällig gegen Getränke? Die Frage ist nicht so banal, wie sie klingt – okay, die Getränke sorgen für elektrolytische Kriechströme und schließen so Kontakte kurz, aber irgendwann trocknen sie wieder ab. Es muss also etwas zurückbleiben, das die Kontakte weiter behindert.
    Kandidaten sind: das im normalen Trinkwasser enthaltene Salz bzw. die Mineralien, unter Umständen auch Reste elektrolytischer Prozesse, wenn die Tastatur zum Zeitpunkt des Unfalls unter Strom stand. Bei Wein kristalline Reste der Weinsäure, bei Scheibenklar diverse Tenside.
    Die Überlegung: in der Spülmaschine werden diese Reste gelöst und abgewaschen; da das Waschwasser Klarspüler enthält, tropft es ab und trocknet nicht auf den Kontakten. Es bleiben also keine zerstörerischen Reste zurück.

    Eine weitere theoretische Überlegung: in einigen Quellen ist von zwei Tagen Trocknungszeit die Rede; es ist also möglich, dass das Wasser unter der Kontaktfolie deutlich länger zum Trocknen braucht, als wir bei unserem ersten Experiment dachten.

    Diese Überlegungen lassen zwei Schlüsse zu, wenn sie denn stimmen: (1) der Klarspüler ist entscheidend, (2) reiner Alkohol oder destilliertes Wasser wären womöglich ein besseres Reinigungsmittel.

  3. Die Praxis:

    Vor die Freuden des Experimentierens haben die rachsüchtigen Götter das Gehäuse gesetzt.

    Mein Acer Aspire 1690 setzt, wie in der Consumer-Klasse heute üblich, seiner Zerlegung erhebliche Widerstände entgegen. Überraschender Weise entpuppt sich eine Blende auf der Oberseite als entscheidend – sie kann problemlos abgenommen werden, wenn drei Schrauben an den Display-Halterungen entfernt werden und das Display ganz aufgeklappt wird. Unter ihr befinden sich nicht nur Schrauben, die entfernt werden müssen, um das Gerät zu zerlegen (was wir uns merken), sondern auch die beiden Halteschrauben für die Tastatur. Aha.

    Nach einigen Versuchen gebe ich es auf, die Tasten einzeln zu entfernen – es ist zwar möglich, aber mühsam, und es ist nicht gesagt, dass sich die Tastatur danach wieder mühelos zusammensetzen lässt. Andererseits wäre es nötig, alle Tasten zu entfernen, um die Kontaktfolie abnehmen zu können. Wenn die Wäsche klappt, wäre also viel gewonnen… zur Erinnerung: in die Tastatur war Scheibenklar gelaufen.

    Die Tastatur abgenommen (Elektronik ist keine daran) und im Blitzgang der Maschine durchgewaschen: 30 Minuten bei 60 Grad. Dann in die Sonne gestellt zum Trocknen. Was sie jetzt bis mindestens morgen tun wird. Ich schreibe dies solange über eine per USB angehängte externe Tastatur… sieht bescheuert aus, aber funktioniert.

    Als guter Empiriker habe ich die Tastatur natürlich nach drei Stunden schon einmal angeschlossen; will nicht. Muss wohl noch trocknen.

    Mehr dann morgen.

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