QuNexus: Das Griffbrett für den aufstrebenden iPad-Synthesisten

Update. 27.6.13: Nicht nur, dass Keith McMillen innerhalb von Stunden auf meinen Bugreport reagiert hat, das in der Antwort angekündigte Update ist inzwischen draußen – der Editor V1.1 behebt die bemängelten Schwächen.

Frisch von Kickstarter: Gerade ist mein Exemplar aus der ersten Serie QuNexus-Keyboard-Controller von Keith McMillen eingetroffen. Echt klein – und fühlt sich trotz all dem Plastik nicht billig an, sondern solide und wertig. Alles, was man braucht, um mit dem iPad Musik zu machen – das Camera Connection Kit und ein paar tolle Softsynths wie Sunrizer, Magellan oder (ganz neu! ganz heiß!) der Waldorf Nave liegen ja ohnehin in jedem besseren Soundbastlerhaushalt herum.

Größenvergleich: Der komplette QuNexus würde glatt 4x auf die Fläche meines M-Audio Axiom 25 passen. Und ist dabei deutlich leichter zu transportieren und zu programmieren.

Größenvergleich: Der komplette QuNexus würde glatt 4x auf die Fläche meines M-Audio Axiom 25 passen. Und ist dabei deutlich leichter zu transportieren und zu programmieren.

Alles da, was man braucht also – vorausgesetzt, man kommt mit den frickeligen Minitasten zurecht und findet die richtige Kombination aus QuNexus-Programmierung und  Synthesizer-Sound.

Portabler Altar für Tastengötter

Vor vielen, vielen Jahren, ich war noch deutlich jünger, da träumte ich von einem Chapman Stick. (Es waren gerade noch die verdammten 80er, you see.) Zum Glück habe ich mir nie einen angeschafft, denn für jemanden wie mich – einen handwerklichen Dilettanten mit großer Experimentierfreude, aber immer zu wenig Zeit und zu wenig Lust zum Üben – wäre es genau das falsche Instrument gewesen. Ich hege den Verdacht, dass es mit dem QuNexus genauso sein könnte; die Anordnung der Tasten ist ähnlich wie bei einer Klaviertastatur, aber meine Finger finden sich einfach nicht zurecht. Da ist viel Übung gefragt.

Vermutlich hat Keith beim Kalibrieren des QuNexus auch an kräftigere Finger gedacht als die meinen, denn ich schaffe es auch mit größter Kraftanwendung nicht, den Dynamikumfang der Anschläge und der Aftertouch-Funktion auszuschöpfen. Ein Midi-Monitor bestätigt meinen Verdacht: Werte über 107, 108 sind nicht zu erreichen. (Allerdings kann man da mit dem Editor nachjustieren und andere Dynamikkurven, Schwellen und Verstärkungen einstellen.)

Der Editor: Mehr als eine v1.0 gebe ich ihm nicht

Womit wir beim Editor wären, meines Erachtens derzeit der größte Schwachpunkt des QuNexus. So wie er sich auf meinem Netbook gibt, scheint er fest für die Bildschirmauflösung 1024×768 konzipiert zu sein – der deutlich höher auflösende 10“-Bildschirm meines Samsung NF310 ist nur etwa zu einem Viertel gefüllt, was für die Lesbarkeit nicht gerade optimal ist. Und er gibt mehr Flexibilität vor, als er tatsächlich ermöglicht.

Der QuNexus-Editor v1.0.1: Screenshot bei 1366x768

Der QuNexus-Editor v1.0.1: Screenshot bei 1366×768

Gut, man kann Empfindlichkeit und Dynamikverlauf einstellen und die Parameter Druck und Druckpunkt den üblichen Midi-Controllern zuweisen. Gedacht ist das für die Standard-Synthesizer-Controller: Schwächerer oder stärkerer Druck auf die Taste ersetzt das Modulationsrad, der Druckpunkt (ob man die Taste am vorderen oder hinteren Rand drückt) dreht an der Tonhöhe – wie ein Pitchrad, wobei der QuNexus mit einem Trick auch polyphon pitchen kann: wenn man will, wird jeder Tastendruck auf einem eigenen Midi-Channel übertragen, was ermöglicht, jede Stimme unabhängig von den anderen zu verbiegen.

Ein paar Wünsche bleiben – zumindest bei mir – offen:

  • Ich würde gerne das „Bend“-Pad unten links frei belegen können – und nicht nur als Pitchwheel-Ersatz nutzen. Zum Beispiel als Modulationsrad. 
  • Es hat keinen Sinn, den „Tilt“-(Druckpunkt-)Parameter auf jeden Midicontroller legen zu können, wenn man den Nullpunkt nicht richtig bestimmen kann. Tilt für CC 1 (Modulationsrad) – nicht brauchbar, weil der Controller die Mittelstellung überträgt. Man könnte sich noch helfen, wenn man dem Editor einen Offset von -64 angeben würde, so dass die Nullstellung auch wirklicn 0 überträgt, aber leider kann man für den Offset keine negativen Werte eingeben.
  • Sowieso: Warum nicht Druck vorne für Modulation, Druck hinten für einen anderen Midi-CC?
  • Man kann einen Parameter immer nur einmal zuweisen – wäre aber schön, wenn man über den Druck sowohl Channel- als auch polyphonen Aftertouch steuern könnte.

Soweit meine paar Kritikpunkte; ich bin fast überzeugt, die Software wird reifen. Und ich werde üben. Und die nächste Bastelei steht auch schon fest: mal einen alten analogen Joystick suchen – und dann einen kleinen X-Y-Controller an den Eingang für die beiden Fußpedale anschließen…

Hier mein Unboxing-Video (auf englisch).

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