Macht eine SWAP-Partition meinen EEE PC kaputt? – Never Mind…

Achtung!

Auch wenn aktuelle SolidStateDisks {de} wie die des Eee PC sehr leistungsfähig sind sollte man die Schreibzugriffe minimieren, da diese langfristig die Disk zerstören.

Aus diesem Grund vermisse ich den Hinweis, dass man keine Swap Partition nutzen darf, denn diese macht den Speicher schnellst möglich kaputt.

(Quelle: Ubuntuusers-Wiki)

Uhuhu, gruselig! Aber, um mit meinem alten Freund Johnny Rotten zu sprechen:

Johnny Rotten, painted by Mark Hebblewhite

Never mind…

Und bollocks ist IMHO schon das eine oder andere, was geschrieben wird. Aber der Reihe nach: im Raum steht die dringende Warnung, keine Swap-Partition einzurichten, sintemalen diese den internen Flash-Speicher abnutze und somit den EEE-PC schrotte. Wohl meinende Menschen rechnen einem vor, dass sie schon nach einigen Stunden Einhandsegeln am Firefox auf die zehntausend Schreibvorgänge kommen, die ein Flash-Speicher nur abkönne.

Ich denke, dass das so nicht stimmen kann. Meiner Meinung nach haben sich da ein paar Irrtümer eingeschlichen:

Ein Flash-Speicher ist nicht nach 10.000 bis 100.000 Schreibvorgängen kaputt. Im EEE PC hat Asus unter anderem Hynix-Speicher vom Typ HY27UG088G verbaut (Quelle), deren Hersteller gibt eine Lebensdauer von 100.000 Schreib-Zyklen an. Aber jetzt kommt’s:

Pro Speicher-Seite.

Der Hynix-Chip ist laut Datenblatt in Speicherseiten von 2KByte unterteilt – also gar nicht so viel anders als die Sektoren einer Festplatte. Für jeden dieser 2K-Blöcke gilt die Lebensdauer von 100.000 Zyklen. Das ist der vom Hersteller angegebene Mindestwert; nach meiner Erfahrung mit Chip-Spezifikationen dürften die meisten Zellen auch ein Mehrfaches überleben. Und selbst wenn eine Speicherseite abgenutzt sein sollte, dann greifen schon auf Hardware-Ebene Mechanismen wie bei einer Festplatte, die einen Sektor verliert: der Flash-Controller schiebt dem System eine Ersatz-Zelle nach. Kein Totalausfall also, allenfalls ein langsames Schwinden abgenutzter Bytes. Ein bisserl Schwund is eben immer.

Selbst dieser Schwund ist nicht schön; wer hat schon ein gutes Gefühl dabei, wenn die Inhaltsverzeichnisse in den EXT2-Superblöcken dauernd umsortiert werden müssen. Also verteilt man die Beanspruchung auf Hardware-Ebene gleichmäßig über den Chip – der Mechanismus heißt “wear levelling”. Der User bekommt davon nur mit, dass das System länger lebt.

Wie viel Beanspruchung das Gesamtsystem am Ende verträgt, ist schwer zu sagen, zumal Asus mit Details geizt. Nur so viel: Dass Geräte mit Flash-Speicher vor der Zeit sterben, scheint kein Massenphänomen zu sein. Da gibt es die Geschichte von der c’t, die dieses Sage auch nachging und einen Flash-Speicher systematisch zu Tode quälen wollte. Das gelang den wackeren Redakteuren nicht; nach 16 Millionen Schreibvorgängen auf das Gesamtsystem gaben sie frustriert auf. Die Geschichte hat mir der zuständige Redakteur bestätigt. Ob sie den penetranten Flash-Speicher dann einfach zertrampelt haben, weiß ich allerdings nicht.

Nächste Korrektur:

Swap-Speicher wird nicht dauernd hin- und hergetauscht. Auch wenn ich mich jetzt auf schwankenden Boden begebe, melde ich starke Zweifel an am Bild einer böse lauernden Swap-Partition, die sich unbenutzte Seiten im RAM sofort unter den Nagel reißt. Swap-Speicher entfaltet Aktivität, wenn’s im RAM eng wird – also dann, wenn man ihn wirklich braucht. Und das kann in einem Standard-EEE schon mal passieren. Linux reagiert auf Speichermangel mit einer von zwei Strategien: unbenutztes Zeug ins Swap-Depot auslagern – oder Speicher sparen. Zum Beispiel, indem man den Cache kleiner machen, den Zwischenspeicher also, der alles beschleunigt. (Erklärt dieser Text, der auch erklärt, dass man die Balance zwischen diesen beiden Strategien über die “swappiness” einstellt.) Ein kleiner Cache bedeutet aber: es muss mehr geschrieben und gelesen werden. Pest statt Cholera?

Wahrscheinlich liegt meine Kurzbeschreibung knapp daneben, aber sicher bin ich: der Tipp, die Swap-Partition am besten in eine Ramdisk zu legen – eher nicht gut. (Hört mal, Jungs: wenn man den Computer anweist, Daten im Speicher hin- und herzukopieren, gewinnt man dadurch weder Geschwindigkeit noch Speicherplatz).

Ein Letztes:

Der überzeugendste Kandidat für die Abnutzung des Flash-Speichers ist nicht Swap, sondern das Dateisystem. Das wird – zumal bei Abwesenheit einer Swap-Partition – viel stärker beansprucht, weil Linux bei Speichermangel den Cache verkleinern muss – sieh oben. Irgendwo müssen die Daten ja hin, sonst bleibt der Rechner stehen.

Fazit: Der einzige Grund, auf eine Swap-Partition zu verzichten, ist der enge Flash-Speicher. So schreibt’s auch Asus. Zugegeben: ein Rechner mit 1GB ist damit schlechter bedient (je mehr RAM, desto weniger Swap ) und muss dann halt auf den praktischen Suspend-to-disk-Tiefschaf verzichten. Aber das ist ja eine ganz andere Abwägung.

Don’t believe the hype. Never mind the bollocks.

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