So wirr kann Thomas Mann nicht sein: Hörbücher im iPhone

Skatend und dabei die Hörbuchversion des „Zauberbergs“ hörend: Schon krass, dieser Thomas Mann, denke ich so bei mir, lässt gleich im zweiten Kapitel eine Todkranke auftreten, die hysterisch kichert und kurz darauf aus dem Buch wegstirbt. Was für ein Paukenschlag zum Auftakt, staune ich, bis mir klar wird, dass diese dramaturgische Reihung vom Großmeister des elitären Schwulstes keinesfalls intendiert war – mein iPhone hat mal wieder alle Titel eines Hörbuchs durcheinander gebracht.

Und das passiert bei den meisten Hörbüchern, die ich mir auf dem iPhone bzw. iPod Touch anhören will: das Gerät spielt sie nicht der Reihe nach, sondern einfach in zufälliger Reihenfolge – und bietet anscheinend keine Möglichkeit, ihm das abzugewöhnen. Ich habe einmal eine Autofahrt erlebt, bei der der Fahrer (!) das (hörenswerte) Hörbuch „So viel Zeit“ von Frank Goosen von Hand immer wieder um einen Titel weiterschaltete, weil alle Passagiere und der Fahrer nicht in der Lage waren, seinem iTouch die Verwürfelungen abzugewöhnen.

Anatomie eines Ärgernisses

Bildschirmfoto: Wiedergabe eines Hörbuchkapitels auf dem iPhoneTatsächlich bietet der iPhone-Audiospieler zwar die Möglichkeit, sich einen Titel immer wieder vorlesen zu lassen. Auch die praktische Funktion, die um 30 Sekunden zurückspringt – falls man gerade abgelenkt war, weil man einem rücksichtslosen Verkehrsteilnehmer ein „Arschgeburt!“ hinterherbrüllen musste – ist zu finden, ebenso ein Knopf, um die Abspielgeschwindigkeit zu verdoppeln oder zu halbieren. Aber wo, verdammt, schaltet man den blöden Zufallsmodus ein bzw. aus?

Tatsächlich sieht der iPhone-Player in der Spezialrubrik „Hörbücher“ keine Möglichkeit vor, auf die Zufallsfunktion zuzugreifen. Das ist logisch, weil sie ja bei den meisten Hörbüchern keinen Sinn ergibt; das ist von Apple schon richtig gedacht. Leider konnten sich die Mystiker aus Cupertino nicht dazu durchringen, die Funktion bei Hörbüchern grundsätzlich zu deaktivieren.

Shuffle, systemweit

Bildschirmfoto: oben rechts schaltet man die zufällige Wiedergabe aus.Ein wenig Experimentiererei bringt die Lösung: Offenbar ist das gesamte Gerät auf zufällige Wiedergabe geschaltet – oder eben nicht. Spricht: Wenn man nicht will, dass die Hörbuch-Kapitel nach Lust und Laune des iPhones verwürfelt werden, muss man sie da abschalten, wo das geht – also: raus aus dem Hörbuch und einen beliebigen Musiktitel gestartet. Die Bedienungselemente einblenden, indem man das Coverbild antippt. Dann oben rechts den Zufallsgenerator abschalten.

Jetzt hat’s a Ruh‘ – systemweit. Und Thomas Mann darf weiter durch die zeitfreie Welt Hans Castorps sprachmäandern…

PS: iPhone-Screenshots, Hörbücher als Hörbuch statt als Musik

Zwei kleine Nachsätze zu Techniken, über die man leicht gestolpert sein könnte:

  1. Wie man Screenshots vom iPhone macht, wusste ich auch nicht (und habe es hier erfahren) – Home-Taste drücken und festhalten und ein kurzer Druck auf den Ausschalter; dann landet ein Bildschirmfoto im Foto-Ordner. Das ist gut zu bedienen, wenn man’s weiß.
  2. Wie man Audio-Dateien überhaupt zu den Hörbüchern bekommt, wenn man sie nicht im Apple-Store gekauft hat, sondern als CD oder Datei im Regal stehen hat:
    • Nach iTunes importieren,
    • dann erst einmal sicher stellen, dass die Sparte „Hörbücher“ überhaupt eingeschaltet ist (iTunes-Einstellungen aufrufen; Karte „Allgemein“ – und ein Häkchen bei „Anzeigen: Hörbücher“ setzen);
    • dann alle Dateien des Hörbuchs markieren,
    • Rechtsklick und im Kontextmenü den Punkt „Informationen“ aufrufen (evtl. noch Daten nachtragen)
    • auf der Karte „Optionen“ den Medientyp ändern in „Hörbuch“ und OK klicken.
    • Das Hörbuch wird jetzt verschoben und taucht nicht mehr bei der Musik auf, was auch bei Party-Abenden mit iPod-Musik ganz gelegen kommt. (Wenn übrigens jemand eine Möglichkeit findet, die bei Amazon geklauten Cover automatisch für alle Hörbuch-Titel hochzuladen, immer her damit.)

Screenshot von iTunes auf dem Mac - unter den "Optionen" den Medientyp "Hörbuch" einstellen

Virtualtango

Schritt für Schritt: Wie man eine virtuelle Parallels-Maschine in Virtualbox überführt. Schön langsam zwei Schritte vor, einmal gedreht und Wie-ge-schritt.

Die Mac-Virtualisierungssoftware „Parallels Desktop“ habe ich für einen Appel und ein Ei bekommen, als sich ein Bekannter ein neues Macbook zugelegt hat. Für Windows funktioniert sie auch vorzüglich und integriert sich nahtlos ins OS X – kein Grund zu wechseln. Mit meiner Linux-Installation sieht das anders aus, da gibt Parallels sich unkommod und sperrig – es ist ja nun wirklich kein Zustand, wenn man eben schnell mal einen aufgenommenen Fernsehfilm zur DVD mastern will und dafür erst stundenlang über einen internen Samba-Server Daten hin- und hertransportieren muss, weil Parallels für Linux keine vernünftige Festplatten-Integration anbietet. (Mehr zu den vergleichsweisen Vorteilen von Virtualbox am Ende dieses Artikels.)

Also habe ich beschlossen, virtuell nach Virtualbox umzuziehen. Die Herstellerfirma dieser kostenlosen Virtualisierungslösung hat sich erfreulicherweise von Sun kaufen lassen; Virtualbox ist also für Privatanwender weiter kostenlos, sogar in der Closed Source-Version. Das geht, ist aber eins-zwei-drei-vor-zurück-vor: ein ziemlicher Tanz – und die Beschreibungen, die ich gefunden habe, lassen immer den entscheiden Zwischenschritt aus und bringen Untergeeks wie mich ins Stolpern. Also hier das Tanzkärtchen für den Virtualtango in aller Ausführlichkeit.

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Neues System vergisst alte iPods?

Danke, Apple! Ein guter Teil des Wochenendes geht drauf, weil die beiden iPods plötzlich nicht mehr synchronisieren wollen. Nada. Nicht einmal in iTunes tauchen sie mehr auf – und ich halte zunächst meinen iPod Touch für defekt, bis ich vermute und überprüfe, dass tatsächlich der iPod Classic (5. Generation, 30GB) meiner Liebsten ebenso wenig erkannt wird.

Was passiert ist? Nichts ist passiert. Außer dass offenbar eine völlig legale und teuer bezahlte Neuinstallation von Mac OS X 10.5 („Leopard“) dazu führt, dass die iPods ihren Heim-Rechner nicht mehr erkennen. Sie scheinen ihn für einen neuen Rechner anzusehen, und der wiederum weigert sich, mit ihnen zu sprechen. Das Höchste der Gefühle ist ein „Unbekannter Fehler 1691“. (NB: geile Fehlermeldung, das. Wenn ich im Netz nach der Bedeutung gucken kann, wieso kann das mein iTunes nicht?)

Was tun? Der Tipp, den man an verschiedenen Stellen im Netz dazu findet, ist eindeutig: iTunes neu installieren.

iPods zeigen eigenes Format

Das löst leider das Problem nicht. Mit großer Beharrlichkeit ignoriert iTunes weiter beide iPods. Immerhin: den „Classic“ kann man durch einen harten Reset (Tasten Menu und Select drücken und festhalten, bis das Apfel-Logo erscheint) immerhin dazu bringen, dass der Mac ihn erkennt – und als noch nicht ordentlich formatierte Festplatte einbinden will:

Warnbox: iPod Classic wird als neues Medium erkannt

Warnbox: iPod Classic wird als neues Medium erkannt

Leider bringt auch die angebotene Möglichkeit nichts, den iPod zu initialisieren, sprich: mit dem Festplatten-Dienstprogramm zu formatieren – das verweigert nämlich mit einem dürren „Permission denied“ die vielleicht segensreiche Arbeit. Den iPod Touch kann man immerhin über die Systemeinstellungen radieren – was ihn für zwei Stunden in einen Löschmodus versetzt, an dessen Ende man mit einem völlig leeren Gerät dasteht. Was soll ich sagen: iTunes scheint jetzt zwar zu erkennen, dass da was getan werden muss, hängt sich aber auf, sobald man den iPod Touch anhängt.

Deinstallation mit der Unkrautschere

Eine herkömmlich schlichte Deinstallation/Neuinstallation a la Apple ist eine feine, weil einfache Sache. Leider ist es damit hier nicht getan: man muss nämlich Apple deutlich gründlicher deinstallieren als man es gewohnt ist. In den „Programme“-Ordner gehen; iTunes nehmen und in den Papierkorb ziehen, Papierkorb leeren – das reicht nicht. Ein paar weitere Schritte sind nötig (Wie man iTunes wirklich komplett installiert, beschreibt Apple hier):

  • Das Dienstprogramm „Aktivitätsanzeige“ aufrufen und den Prozess „iTunes Helper“ manuell beenden – vorher lässt sich der Papierkorb nicht richtig leeren.

Dann noch alle Spuren von iTunes tilgen – aus den folgenden Ordnern (jeweils im Finder über „Gehe zu..“/“Gehe zum Ordner“ ansteuern und die Dateien in den Papierkorb befördern):

  • ~/Library/ -- Ordner iTunes
  • ~/Library/Preferences/ -- die drei Dateien com.apple.iTunes*
  • ~/Library/Preferences/ByHost/ -- eine Datei com.apple.iTunes*
  • /Library/ -- ein iTunes-Ordner (falls vorhanden)

Ich habe sogar noch eine Extra-Brutalität begehen müssen, um iTunes wirklich zum Wiederentdecken der iPods zu bewegen:

  • Im Ordner „Musik“ den Ordner „iTunes“ öffnen und die beiden folgenden Dateien umbenennen: iTunes Library und iTunes Music Library.xml
  • iTunes einmal starten, iPod anschließen; Neuerkennung einleiten (der Mac fragt, ob er den iPod auf diesen Rechner umrubeln soll)
  • iTunes zumachen; Dateien über die von iTunes angelegten neuen Versionen kopieren

Beim nächsten iTunes-Start hat dann alles funktioniert. Uff.

Am Ende dann noch einmal in die iTunes-Einstellungen und unter „Erweitert“ den Speicherort für die iTunes-Musik erneuern (sprich: auf „Ändern“ klicken und den gleichen Ordner wie vorher noch einmal neu auswählen); das führt dazu, dass iTunes alle Dateien noch einmal einliest und die Datenbank auf Trab bringt.

So. Jetzt hat iTunes wieder die Haare schön. War das nötig, so ein Aufwand?

Fortschrittlich!

  1. Der iMac tickert wieder.
  2. Die Wohnzimmer-PS3 gibt Videos vom MiniMac-Medienserver endlich ohne Ruckeln aus.
  3. Das Bett ist entquietscht.
  4. Twittern vom iTouchy.
  5. Die virtuelle OpenSuse-Maschine im Mini-Mac liest und schreibt brav Video-DVDs.
  6. Endlich funktioniert der Canon-Scanner auch am Mac.

Was für eine zufriedenstellende Woche.