Kaffee aus dem Jura

Müsste es nicht „Kaffee aus der Jura“ heißen? Wo es doch genau darum geht hier: um eine Kaffeemaschine der Marke Jura, Typ Impressa C5. Über die ich mir bei der Wartung ziemlich den Wolf ärgere, weil ich lang kein derart verbautes, umständliches, wartungsfeindliches Stück Technik gesehen habe. Die Konstrukteure scheinen Wartungstechniker zu hassen – und das ist, meine ich, langfristig ein Problem für die Betriebssicherheit der Maschine. Ein Wutmäander (a.k.a. „Rant“).

Und genau da liegt das Problem: Ohne den „Ovalkopfschlüssel“ kriegt man nicht mal das Gehäuse auf.

Es ist sicher kein reines Vergnügen, einen Kaffeevollautomaten zu konstruieren. Strom, Hitze, Wasser, mechanische Kräfte, Druck – da kommt alles zusammen, was Ärger macht, dazu noch jede Menge Staub aus einem Mahlwerk, der zudem die unangenehme Eigenschaft hat, dass Schimmelpilze und Bakterien ihn lecker finden.

Um so wichtiger ist, dass man ab und zu mal putzt.

Gerade bringe ich eine Maschine in Gang, bei der das lang nicht mehr passiert ist, wenn überhaupt (deswegen habe ich sie auch geschenkt gekriegt). Sie wohnte vorher bei offensichtlich hardwarefeindlichen ITlern. „Aschenbecher voll, brauche neues Auto“ – aber sie hätten mit dieser Maschine auch ein echtes Problem bekommen.

Ich habe schon ein paar Kaffeemaschinen auseinandergerissen, mal mit mehr Erfolg, mal mit weniger, aber es hat sich immer gelohnt, es zu versuchen. Das piéce de résistance ist eine olle Saeco Incanto, die ich defekt vor bald zehn Jahren ersteigert habe und die seitdem ebenso zuver- wie unablässig in der Küche sehr leckeren Kaffee bereitet und dabei einen hohen WAF erzeugt. Um Kaffeevollautomaten gibt es eine äußerst rege Bastlergemeinde, die für jede Maschine, jeden Typ die passende Anleitung vorhält. Ersatzteile gibt es bei zuverlässigen und schnellen Versandhändlern.

Um so lauter habe ich geflucht, als ich jetzt diese Jura auseinandernehmen wollte. Jura-Kaffeemaschinen sind nicht besonders gut zu reparieren, hatte ich schon mehrfach gehört. Aber ich hatte ja keine Ahnung. Es fängt damit an, dass man in die Maschine nicht einmal reinkommt – um nur das Gehäuse zu öffnen, braucht man einen speziellen Schlüssel. Dabei sind die Schrauben hundsordinäre Blechschrauben, die man bequem durch welche mit Kreuzloch ersetzen könnte. Keine große Sache, den Schlüssel kriegt man für ein paar Euro auch bei eBay. Aber bezeichnend für den Ich-hasse-Schrauber-Geist, den dies verdammte Ding atmet.

Im Innern geht’s nämlich weiter: Natürlich sind in der Maschine durchgängig Torx-Schrauben verbaut – und zwar so, dass man mit einem Torx-Bitschraubenzieher in der Regel nicht an sie rankommt. Und das Herz der Maschine, die so genannte Brühgruppe, würde zwar (wäre sie aus Stahl und nicht aus Plastik) auch gut in ein Walzwerk passen, so massiv ist sie, aber sie ist derart verdruckst ins Gehäuse gedengelt, dass man auf keinen Fall das tun kann, was man mit einem Kaffeemaschinenherz unbedingt tun sollte: sie immer mal wieder eben schnell abspülen. Bei den italienischen Saecos, die ich kenne, ist das ein Handgriff.

Draufsicht auf Pulvertrichter und Brühgruppe, beides ziemlich verdreckt. Gehalten, natürlich von einer Torx-Schraube.

Wie gesagt, im Innern eines Kaffeevollautomaten ist es heiß und staubig, entsprechend sieht die Brühgruppe dann irgendwann aus. Will man sich dann die Arbeit machen und die Dichtungen ersetzen, was ab und zu auch ganz nett ist, darf man sich auf was gefasst machen – eine Anleitung nur zur Demontage der Brühgruppe umfasst, I kid you not, 31 Seiten. (Die hier ist die m.E. übersichtlichste für die ganze Maschine und hat „nur“ 46.) Wie gesagt:

Jetzt könnte man natürlich darüber streiten, ob es nicht schwer sein muss, eine so komplexe Maschine auseinanderzunehmen. Einfach weil sichergestellt sein sollte, dass nur Menschen daran herumschrauben, die sowohl über angemessene Werkzeuge als auch Kompetenzen verfügen – ich nenne das mal das „Apple-Argument.“ Schließlich hat die Kombination aus Wasser, Strom, Druck und Hitze durchaus Gefahrenpotenzial.

Das „Apple-Argument“ fällt aber in sich zusammen, wenn man die Folgen bedenkt, die diese Konstruktion hat:

  • Es gibt keine Möglichkeit, die Maschine wenigstens etwas zu reinigen. Das Verschleißteil Brühgruppe verdreckt zwangsläufig.
  • Die Wartung der Maschine wird extrem teuer – auch professionelle Servicetechniker haben es gerne einfach und lassen es sich bezahlen, wenn’s umständlicher ist.
  • Selber machen kann man’s nicht, vom Techniker machen will man’s nicht – der Crash ist programmiert.

Also: wenn ich es mir aussuchen kann, niemals nicht eine Jura.

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    keine – dieser Post scheint einzigartig zu sein…

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