Kleines Vademecum für Barcamps

Richtig getippt? Dank an Neezee, aus deren Flickr-Stream dieses Foto stammt

Zurück von der erfreulich unterhaltsamen MBC09, mit zwei intelligenten Sätzen im Gepäck – es hat sich also gelohnt. Und wieder was gelernt: als Barcamp-Neuling bin ich mit einigen Erkenntnissen aus Hamburg abgereist, die ich den Nachgeborenen zur Hand reiche – zum Eingedenk und zur Mahnung.

  1. Endlich versteht mich mal einer. „Wenn ich meiner Freundin erzähle, dass ich ihr gerade ein Facebook-Applet aufgesetzt habe, das meine Tweets mit Geolocation koppelt, schaut sie mich nur verständnislos an“, stöhnt einer – und drum herum nicken Köpfe. Mag man ansonsten mit netzaffinem Verhalten so fehl am Platz sein wie der Hustinettenbär auf einer Cocktailparty, hier geht’s: Dreizehn Menschen legen zwanzig winzige, aber geliebte Elektronikspielzeuge auf den Tisch, starten sogar extra noch die neue Benutzeroberfläche oder den DVB-Handy-Empfang fürs Trophäenfoto – und drum herum stehen Menschen, die nicht mitleidig lächeln, sondern stolz. Auch Frauen. Wo gibt es das sonst noch?
  2. Think different – don’t use a Mac. Oder wenn du schon einen Apfellaptop mit dir führst wie ungefähr drei Viertel der digitalen Boheme: hab wenigstens den begehrten DVI-to-VGA-Adapter dabei, damit du deine Maschine auch an bürgerliche Beamer anschließen kannst. Oder wenn das zuviel verlangt ist: ein USB-Stick mit eiiner Simpelst-Variante deiner Präsentation erspart dir die Peinlichkeit, als Kreativer ohne Kreativmaterial auf der Bühne zu stehen.
  3. Wenn du Sascha Lobo bist, weißt du, dass du dich nicht vorstellen musst. Wozu, verdammt, ist man sonst Sascha Lobo?
  4. Suppenkoma und Fünfuhrloch bleiben universelle Gegebenheiten des Seins. Tagungsontologie gilt auch auf Barcamps: Nach dem Essen starte mit einem Knaller. Wenn du keinen Knaller hast, starte lieber gar nicht. Und sei nicht verstört, wenn die Aufmerksamkeit Richtung Teezeit bröckelt. A propos Aufmerksamkeit:
  5. Procrastination kills. Das Nervige an all den smarten, interessanten, vernetzten, technikaffinen Leuten hier: man hat nie ihre volle Aufmerksamkeit. Wenn du ihnen wirklich etwas zu sagen hast, sei ein Star – oder nimm ihnen die Laptops und iPhones weg.
  6. Was wollte ich sagen? Ach, egal. „Bei Twitter geht es um den Sound“, sagt einer der Panelisten. Sei dir eingedenk des hohen Werts phatischer Kommunikation – Botschaften, die ausgetauscht werden, weil man sich  austauschen kann. Sei sozial und netzwerke, das reicht unterm Strich hin.
  7. Rechne nicht mit Netzanschluss. Weder kann ein Veranstalter genügend Mehrfachsteckdosen legen – das geht schon bei den deutlich kleineren und kommerzielleren IFA-Previews gern schief – noch kann ein Techhead ernsthaft so naiv sein zu glauben, dass ein einziges WLAN wirklich frei und munter fließende Daten für alle garantiert.

Eine Bonuswarnung. Barcamps folgen den Regeln nicht skalierender Systeme (vgl. Nassim Taleb, Black Swan) –  sie werfen für einige wenige überproportionalen Gewinn ab, während die meisten praktisch leer ausgehen, egal wie viel Mühe und Liebe sie in ihre Präsentationsvorbereitung investiert haben. Also hilft am Ende nur noch eins:

Daumen drücken.

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